YES! - Thema 2019

Wie gelingen Bildung und Spracherwerb für Immigranten?

Medial waren Flucht und Migration in den letzten Jahren besonders prominente Themen. Tatsächlich erreichten in den letzten Jahren viele Migranten und Flüchtlinge Deutschland und andere europäische Länder. Fast ein Drittel aller Asylsuchenden in der Europäischen Union im Jahr 2017 war minderjährig. Kinder von Migranten und Flüchtenden stehen dabei besonders großen Herausforderungen gegenüber: Nach der Ankunft im Gastland fehlen ihnen zunächst soziale Kontakte, zumeist das Verständnis der Landessprache und die Kenntnis von Regeln und Institutionen. Für Minderjährige ist es besonders schwierig, ihre Rechte einzufordern. Geflohene Kinder sind nicht selten traumatisiert.
Doch Kinder sind gleichzeitig Anpassungsweltmeister: Niemand lernt schneller und spielender Sprachen, niemand knüpft schneller unvoreingenommen Kontakt und Freundschaft, als Kinder. Doch die Erfahrungen für Kinder sind heterogen: Während einige wissenschaftliche Studien zeigen, dass einige Kinder die Dolmetscher-Rolle für ihre Eltern einnehmen (müssen), und damit als Mediator zwischen den sozialen Welten auftreten, verlassen andere Kinder von Migranten kaum das ethnische Umfeld ihres Heimatlandes—sowohl im Wohnumfeld wie auch im Klassenzimmer (ethnische Segregation). Wieder andere Kinder fühlen sich nur wenig zugehörig im Zielland. Besonders komplex wird die Gemengelage, wenn fehlende Sprachkenntnisse, niedrige Schulbildung, ökonomische Benachteiligung und Perspektivlosigkeit zusammen kommen.
Welche Faktoren determinieren also, ob Migranten- oder Flüchtlingskinder die deutsche Sprache erlernen? Und was entscheidet über schulischen Erfolg und Misserfolg? Wie können Schulen zu besserer Integration und zu einem besseren Zugehörigkeitsgefühl beitragen? Welche Weichen können von Kommunen und politischen Entscheidungsträgern gestellt werden? Welche Projekte zur Integrationsförderung wurden in den letzten Jahren an deutschen Schulen angestoßen? Welche waren aus Sicht der Schulen erfolgreich? Und wie schätzen Migranten- oder Flüchtlingskinder diese Projekte ein?
Trotz der signifikanten Zuwanderung der letzten Jahre und trotz der daraus resultierenden Herausforderungen für die allermeisten Schulen in Deutschland, existiert keine strukturierte Evidenz zu Lösungsmöglichkeiten und Förderprojekten, welche in großer Zahl dezentral entwickelt wurden. Wir laden Euch ein, eine Umfrage unter Migranten- und Flüchtlingskindern sowie unter Verantwortlichen an Schulen zu entwickeln und durchzuführen, um Förder-, Integrations-, und Sprachprojekte zu sammeln sowie ihre Ziele, Erfolgsindikatoren und Ergebnisse zu erfassen und zu bewerten. Das Ziel des Projektes könnte sein, einen „Best Practice“ Katalog zu Integrationsprojekten für Migranten und Flüchtlinge an deutschen Schulen zu entwickeln.

Danzer, Alexander M., Carsten Feuerbaum, Marc Piopiunik, Ludger Woessmann (2018). Growing Up in Ethnic Enclaves: Language Proficiency and Educational Attainment of Immigrant Children. IZA DP No. 11608. URL: http://ftp.iza.org/dp11608.pdf

Lochmann, Alexia, Hillel Rapoport, Bagio Speciale (2018). The effect of language training on immigrants’ economic integration. Empirical evidence from France. IZA DP No. 11331. URL: ftp.iza.org/dp11331.pdf

OECD (2015). Helping immigrant students to succeed at school – and beyond. URL: https://www.oecd.org/education/
Helping-immigrant-students-to-succeed-at-school-and-beyond.pdf

Weitere Hintergrundinformationen:

http://www.oecd.org/education/school/
strength-through-diversity-publications.htm

http://www.bamf.de/EN/Willkommen/
Integrationsprojekte/integrationsprojekte-node.html

https://www.welt.de/politik/deutschland/article173995846/
Integration-in-Gefahr-Fuer-viele-Fluechtlinge-wird-die-Schule-zur-Sackgasse.html

Statistiken über Asylsuchende nach Alter und Geschlecht von Eurostat:https://ec.europa.eu/eurostat/
statistics-explained/index.php?title=Asylum_statistics/
de#Alter_und_Geschlecht_von_Asylerstantragstellern

Homework” by Chris Yarzab is licensed under CC BY 2.0

Wissenschaftlicher Partner:

Betreuer der YES!-Teams und Autoren des Themenvorschlags:

Alexander M. Danzer

Prof. Dr. Alexander M. Danzer ist Professor für Mikroökonomik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Mitglied in den Forschungsnetzwerken CESifo München, IZA Bonn und CReAM London. Er promovierte an der University of London (Royal Holloway College), war Juniorprofessor an der LMU München und forschte als Gastforscher an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona.
Seine Forschungsfelder umfassen Arbeitsmarktökonomie, Sozialpolitik (insbesondere Rentenpolitik), Armut und Migration. In seinen aktuellen Forschungen untersucht er die Auswirkungen verschiedener politischer Reformen und Naturkatastrophen auf das Wohlbefinden und Arbeitsmarktverhalten, sowie die Rolle von ethnischen Enklaven für die Integration von Migranten.

YES!-Themen von Alexander M. Danzer

Carsten Feuerbaum

Carsten Feuerbaum ist Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mikroökonomie an der KU Eichstätt-Ingolstadt. Sein Forschungsschwerpunkt ist die empirische Migrationsökonomie und Arbeitsmarktökonomie. Hier beschäftigt er sich mit der Integration von Zuwandererkindern und den Effekten von Migration auf Innovationsentscheidungen von Unternehmen.

YES!-Themen von Carsten Feuerbaum

2018-10-23T09:58:53+00:00