YES! - Thema 2019

Unterstützung innovativer Start-ups

Innovationen sind der größte Antriebsfaktor für Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Aus ihnen entspringen neue, verbesserte und kostengünstigere Produkte und Dienstleistungen. Zwischen 1995 und 2007 machten Innovationen zwei Drittel des europäischen Wirtschaftswachstums aus (Bravo-Biosca et al. 2013). Unternehmen investieren jedoch weniger in Innovationen als das, was für die Gesellschaft optimal wäre. Zu den Ursachen zählen die mit der Investition in FuE verbundene Ungewissheit, hohe uneinbringbare Kosten, lange Investitionslücken, die Schwierigkeit, alle Erträge aus Investitionen in Innovationen aufgrund von Wissenstransfer auf andere Unternehmen zuzuweisen, sowie Schwierigkeiten, Fördermittel für Innovationen zu gewinnen (Arrow 1962, Europäische Kommission 2017a). Bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) fallen diese negativen Anreize besonders stark aus.

Abbildung 1 veranschaulicht die internationale Entwicklung der Bruttoinlandsausgaben für Forschung und Entwicklung. Im Jahr 2016 gaben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union rund 1,9 % ihres Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung aus. Die EU-Länder haben jedoch in Bezug auf die FuE-Intensität im Vergleich zu ihren größten asiatischen Wettbewerbern an Boden verloren und können mit den USA kaum Schritt halten. Trotz der Bemühungen der letzten Jahre, die Investitionen in FuE innerhalb der EU zu erhöhen, ist es nach wie vor der Fall, dass Innovationen, vor allem disruptive, primär außerhalb der EU entwickelt werden (Europäische Kommission 2017b).

Entwicklung der Ausgaben für Research & Development (Quelle: OECD)

Eine der Erklärungen für dieses Phänomen ist die Tatsache, dass es der EU im Vergleich zu den USA an kleinen Unternehmen fehlt, die disruptive Innovationen liefern – jene, die neue Märkte öffnen und radikale Veränderungen mit sich bringen (Cincera und Veugelers 2013). In Deutschland nimmt der Anteil innovativer Unternehmen, insbesondere unter den KMU, immer mehr ab (Rammer und Schubert 2018). Den KMU, die dennoch innovieren, fällt es darüber hinaus schwer, größenmäßig so weit zu wachsen, dass sie von technologischer Relevanz sein könnten. Der unzureichend entwickelte europäische Technologiemarkt steht einer wirksamen Übertragung disruptiver Ideen an etablierte Akteure, die diese auf den Markt bringen könnten, im Wege (Arora et al. 2004).

Als Reaktion auf diese Unzulänglichkeiten im Hinblick auf die disruptive Innovation haben Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger für neue Ansätze bei der europäischen Innovationspolitik plädiert. So unterstützt das Förderprogramm Horizon Europe Innovationen durch auf KMU ausgerichtete Instrumente, die bahnbrechende Innovationsprojekte von KMU mit marktschaffendem Potenzial fördern. Die mit Investitionen in Innovationen verbundenen Schwierigkeiten bleiben allerdings trotz der Schaffung neuer Programme bestehen. Um sich mit diesen Problemen erfolgreich befassen zu können, sind daher weitere neue Vorgehensweisen notwendig.

Wie können politische Entscheidungsträger:

  • drastische Innovationen in KMU fördern?
  • von politischen Initiativen und Experimenten in anderen Ländern lernen?
  • Schwierigkeiten bei der Erlangung von Finanzmitteln mindern?
  • das Risiko von Innovationsprojekten senken?

Arora, A., Fosfuro, A., Gambardella, A. (2004). Markets for technology: the economics of innovation and corporate strategy. The MIT Press, Cambridge, MA.

Arrow, K. (1962). Economic welfare and the allocation of resources to invention. In: R. Nelson (ed.), The rate and direction of incentive activity. Princeton: Princeton University Press.

Bravo-Biosca, A., Martson, L., Mettler, A., Mulgan, G., Westlake, S. (2013). Plan I – Innovation for Europe. Nesta and the Lisbon Council.

Cincera, M., Veugelers, R. (2013). Young leading innovators and the EU’s R&D intensity gap. Economics of Innovation and New Technology, 22, 177-198.

European Commission (2017a). The economic rationale for public R&I funding and its impact. Brussels: European Commission.

European Commission (2017b). Open innovation, open science, open to the world – a vision for Europe. European Commission, Brussels.

Rammer, C., Schubert, T. (2018). Concentration on the few: mechanisms behind a falling share of innovative firms in Germany. Research Policy, 47, 2, 379-389.

Additional sources for information

https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/mittelstandsfinanzierung.html

https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2017/Fokus-Nr.-185-November-2017-Innovatorenquote-nimmt-ab.pdf

https://www.welt.de/wirtschaft/article181356576/Eine-Milliarde-Euro-fuer-Ideen-Bund-gruendet-Innovations-Agentur.html

https://www.bundesbericht-forschung-innovation.de/de/Innovationsdynamik-in-der-Wirtschaft-starken-2692.html

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Markus Trunschke

Markus Trunschke erhielt im Jahr 2016 einen Bachelor of Science von der Universität Mannheim in Volkswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Mikroökonomie und Angewandte Ökonometrie. Während seines Masterstudiums an der Katholischen Universität Leuven erweiterte er dieses Wissen mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsforschung. Seit Oktober 2017 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Innovationsökonomie und Industriedynamik am ZEW beschäftigt. An der KU Leuven promoviert er derzeit zu den Themen Innovation, öffentliche Beschaffung und Produktionsfunktionsschätzung.

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Bastian Krieger

Bastian Krieger absolvierte sein Masterstudium an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Anschließend nahm er an einem Doppelmasterprogramm der University of Wisconsin-Milwaukee teil. Seine Studienschwerpunkte lagen dabei in den Bereichen Ökonometrie und Industrieökonomik. Seit Juli 2017 ist Bastian Krieger als wissenschaftlicher Mitarbeiter im ZEW-Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ tätig. Sein Forschungsinteresse gilt hauptsächlich der Innovationsökonomik. Zuletzt konzentrierte er sich auf die Gründe der Produktivitätsverlangsamung und der Wechselwirkungen zwischen Universität und Industrie.

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Mila Köhler

Mila Köhler schloss 2007 ihr volkswirtschaftliches Studium mit den Schwerpunkten Industrieökonomik, Ökonometrie und Internationales Management an der Universität Mannheim ab. Von 2008 bis 2010 war sie als Analystin bei der DIW econ GmbH in Berlin beschäftigt. Ab 2010 war Frau Köhler Promotionsstudentin an der belgischen KU Leuven in der Abteilung Management, Strategie, Innovation und Unternehmensführung. 2015 schloss sie ihre Promotion im Bereich Betriebsökonomie ab. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Industrieökonomik, insbesondere der Innovationsökonomik. Beispiele für ihre Forschungsfelder sind insbesondere die Evaluation öffentlicher Innovationsförderung sowie Corporate Governance und Innovation. Frau Köhler ist seit Oktober 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZEW.

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Moritz Lubczyk

Moritz Lubczyk studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Mannheim, der Universität Stockholm und der Sciences Po Paris. Nach seinem Abschluss war er als Experte für geistiges Eigentum bei einer Wirtschaftsberatung in Stockholm tätig. Moritz Lubczyk ist seit Januar 2018 im Bereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ tätig und promoviert derzeit an der Universität Zürich. Seine Hauptforschungsinteressen liegen im Bereich des geistigen Eigentums, des Unternehmertums und der Auswirkungen von Innovationen auf die Unternehmensleistung.

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2018-12-13T11:17:17+00:00