YES! - Thema 2020

The BMI Is Too High. How To Promote A Healthier Nutrition At School?

Ökonomen interessieren sich für Gesundheits- und Ernährungsthemen, weil Studien einen positiven Zusammenhang zwischen einer gesunden Ernährung und der Leistung in der Schule zeigen. Die richtige Ernährung kann sich daher indirekt auf die zukünftigen Bildungs- und Einkommensmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen auswirken. Die Wahl, viele kalorienreiche und nährstoffarme Lebensmittel und Getränke zu konsumieren, kann auch zu Übergewicht und Adipositas führen und negative gesundheitliche Folgen haben, da Übergewicht die Wahrscheinlichkeit für gewichtsbedingte Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes erhöht.

Untersuchungen zur Gewichtsverteilung der Deutschen zeigen, dass rund 15% der Jugendlichen (10-19 Jahre) übergewichtig sind: Der jeweilige Body Mass Index (BMI) gehört zu den höchsten 10% der alters- und geschlechtsspezifischen Vergleichsgruppe. Es scheint, dass dieses zusätzliche Gewicht nicht mit der Zeit verschwindet. Stattdessen sind die Zahlen für Erwachsene (ab 20 Jahren) noch höher: Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) deuten darauf hin, dass 60% der Erwachsenen einen BMI haben, der die Schwelle von 25 überschreitet, und sie daher als übergewichtig eingestuft werden. Und nach neuesten Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird mehr als jeder fünfte Erwachsene in Deutschland als fettleibig eingestuft (BMI > 30).

Eine gesunde Ernährung und ein ausreichendes Maß an körperlicher Aktivität sind die Kanäle, um Kalorienaufnahme und –verbrennung in der Waage zu halten. Ungleichgewichte können durch verschiedene Faktoren verursacht werden. Jugendliche und Kinder möchten vielleicht gesündere Lebensmittel konsumieren, stehen aber vor einem Mangel an der notwendigen Versorgung mit gesunden Lebensmitteln in der Schule und zu Hause. Aber auch Forschungen aus Wirtschaft und Psychologie deuten darauf hin, dass Menschen Schwierigkeiten haben, sich an einen gesünderen Lebensstil anzupassen, selbst wenn sie es wollen. Die Gründe dafür können vielfältig sein: Den Menschen fehlt vielleicht die notwendige Ernährungsaufklärung – sie wissen vielleicht nicht, welche Lebensmittel gut oder schlecht für ihre Gesundheit sind. Studien deuten auch darauf hin, dass die Menschen in ihrem Verhalten voreingenommen sind: Sie möchten sich in Zukunft gesünder ernähren und mehr bewegen, aber wenn die Zukunft Gegenwart wird, konsumieren sie weiterhin ungesunde Lebensmittel und vermeiden Sport, weil ein gesunder Lebensstil erst in der Zukunft Vorteile bringt, aber heute Anstrengungen erzeugt – ein Phänomen, das als “present bias” bezeichnet wird. Ungesunde Ernährung kann auch an die nächste Generation weitergegeben werden, da die Ernährungsgewohnheiten von den Eltern und dem sozioökonomischen Umfeld in der Kindheit geprägt werden. Besonders Kinder aus einkommensschwachen Familien sind von Übergewicht bedroht.

Wir laden euch ein, über ein Schulprogramm nachzudenken und es auch umzusetzen – ein Programm, das der besseren Ernährung von Kindern und Jugendlichen an eurer Schule oder einer Schule in eurer Umgebung dient. Wie ihr mit dieser Aufgabe umgeht, hängt von der Verpflegung an der Schule ab, die ihr wählt. Wenn die Schule Mittagessen und Snacks anbietet, ist es ein erster Schritt, über die Qualität dieser Lebensmittel nachzudenken. Ihr müsst zunächst geeignete Indikatoren sammeln, um eine gesunde Ernährung in der Schule zu beschreiben, und diese dann anwenden. Wenn die Schule keine gesunde Ernährung anbietet, was könntet ihr tun, um dies zu ändern? Vielleicht möchtet ihr das Schulprogramm weiterentwickeln, indem Sie auch bereits bestehende nationale oder internationale Ansätze berücksichtigt, die sich in der Vergangenheit als erfolgreich erwiesen haben, z.B. die feed me better Initiative. Wird gesundes Essen überhaupt in der Schule akzeptiert? Wenn nicht, überlegt doch, wie ihr die Akzeptanz bei Schülern, Eltern und Lehrern erhöhen könnt. Wenn die Schule ein ausreichend gesundes Essen anbietet, wird es dann auch von den Schülern ausgewählt und konsumiert? Wie könntet ihr den Verzehr von gesunden Lebensmitteln durch die Schüler untersuchen? Und was könnte ein wirksames Instrument sein, um die Entscheidungen der Schüler zu steuern und den Konsum gesunder Lebensmittel zu erhöhen?

John List and Anya Samek (2015): The Behavioralist As Nutritionist. Leveraging Behavioral Economics to Improve Child Food Choice and Consumption, Journal of Health Economcis

Sally Sadoff, Anya Samek and Charles Sprenger (2019): Dynamic Inconsistency in Food Choice: Experimental Evidence from Two Food Deserts, The Review of Economic Studies

Weiterführende Links:
B.-M. Kurth and A. Schaffrath Rosario (2007): Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS), Bundesgesundheitsblatt, https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00103-007-0235-5.pdf

OECD: Obesity Update (2017), http://www.oecd.org/health/health-systems/Obesity-Update-2017.pdf

WHO: Nutrition, Physical Activity and Obesity. Germany (2013), http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0011/243299/Germany-WHO-Country-Profile.pdf

WHO: Healthy Diet (2018), https://www.who.int/nutrition/publications/nutrientrequirements/healthy_diet_fact_sheet_394.pdf

Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung, http://www.schulverpflegung.bayern.de/

Macht Dampf! Für gutes Essen in Kita und Schule, https://www.macht-dampf.de/

Feed Me Better Initiative, http://www.feedmebetter.com/why/index.html

Mit Unterstützung von

Wissenschaftlicher Partner:

Betreuer des YES!-Teams und Autoren des Themenvorschlags:

Alexander M. Danzer

Prof. Dr. Alexander M. Danzer ist Professor für Mikroökonomik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Mitglied in den Forschungsnetzwerken CESifo München, IZA Bonn und CReAM London. Er promovierte an der University of London (Royal Holloway College), war Juniorprofessor an der LMU München und forschte als Gastforscher an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona.
Seine Forschungsfelder umfassen Arbeitsmarktökonomie, Sozialpolitik (insbesondere Rentenpolitik), Armut und Migration. In seinen aktuellen Forschungen untersucht er die Auswirkungen verschiedener politischer Reformen und Naturkatastrophen auf das Wohlbefinden und Arbeitsmarktverhalten, sowie die Rolle von ethnischen Enklaven für die Integration von Migranten.

YES!-Themen von Alexander M. Danzer

2019-11-07T22:26:58+01:00