YES! - Thema 2019

Soziale Herkunft und Bildung: Chancengleichheit im Bildungssystem stärken

In nahezu allen Ländern hängt der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen mit ihrer sozioökonomischen Herkunft zusammen. Auch in Deutschland wird sozialer Aufstieg häufig vom Elternhaus determiniert.

Dabei geht es nicht nur um die Leistungen in der Schule, sondern bereits um die Teilnahme an frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsangeboten sowie um die Aufnahme eines Studiums. Die daraus folgenden limitierten Aufstiegschancen von Kindern aus Familien mit niedrigerem sozialen Status haben diverse Implikationen. Neben der offenkundigen individuellen Folge eines niedrigeren erwarteten Lebenszeiteinkommens ergeben sich ebenso Konsequenzen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer auch in Zukunft immer stärker auf Humankapital setzenden Wirtschaft und die durch sie generierten Einnahmen aus beispielsweise Steuern und Sozialbeiträgen. Nicht zuletzt trägt die Möglichkeit, allein durch Leistung aufzusteigen, zur Integration Geflüchteter bei und ist als ein Kernversprechen der sozialen Marktwirtschaft wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Meine Herausforderung besteht deshalb darin, zu untersuchen, was konkret getan werden kann, um Kindern und Jugendlichen aus sozial benachteiligten Elternhäusern zu helfen, im deutschen Bildungssystem erfolgreich zu sein.

Als Ausgangspunkt lohnt es sich, zu fragen, wovon Bildungserfolg im Allgemeinen abhängt. Welchen Anteil hat die individuelle Prädisposition (angenommen, das Elternhaus würde die Entwicklung der Persönlichkeit nicht mitbeeinflussen)? Inwiefern hilft es Kindern aus materiell bessergestellten Elternhäusern, dass ihre Eltern mehr Ressourcen in sie „investieren“ können? Welchen Einfluss hat das Schulsystem, beispielsweise über die frühe Selektion bei der Wahl weiterführender Schulen?

Da das Thema äußerst vielschichtig ist und sich diverse Wirkmechanismen identifizieren lassen, ist im nächsten Schritt eine Eingrenzung auf einen Bereich (oder unter Umständen auch mehrere eng verknüpfte Teilbereiche), der näher betrachtet werden soll, sinnvoll. Lohnt es sich zum Beispiel also eher, bei Familien direkt anzusetzen, bei den Schulen als der übergeordneten Ebene oder ist auch das zu kleinteilig? Welche Reformen gab es in der Vergangenheit und kann man aus ihren Ansätzen und ihrem Erfolg etwas lernen? Gibt es neben der Politik und politiknahen Organisationen weitere Akteure, die sich die Stärkung von Bildungschancen sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher zur Aufgabe gemacht haben? Welche Chancen bieten die Digitalisierung und die (scheinbare?) Grenzen- und Klassenlosigkeit digitaler Kommunikation?

Bei allen Aspekten des Themas ist immer auch die praktische Umsetzbarkeit möglicher Ideen zu beachten. Wenn beispielsweise wesentlich kleinere Schulklassen und damit individuellere Förderung als Königsweg erscheinen sollten, muss der dadurch steigende Personalbedarf gegenfinanziert werden, was zu Einsparungen an anderer Stelle bzw. zur. Erhöhung von Steuern oder Abgaben führt.

Ein guter Einstieg in den Themenkomplex „Ursachen und Folgen von Armut“ ist die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung, da sie einerseits das Thema umreißt und andererseits auf aktuelle Maßnahmen eingeht. Auch die Veröffentlichungen der Bundeszentrale für politische Bildung können als Ausgangspunkt weiterer Recherchen dienen.

Da das Thema regelmäßig in der öffentlichen Debatte auftaucht, finden sich diverse Statements von Seiten der Parteien und von parteinahen Organisationen. Auslöser für solche Debatten sind häufig die PISA-Studien der OECD und die begleitende Medienberichterstattung, die sich bereits explizit mit dem Zusammenhang von Bildung und sozialer Herkunft beschäftigt haben.

Um den Blick der Volkswirtschaftslehre auf das Thema kennenzulernen, empfiehlt sich der Übersichtsartikel von Björklund und Salvanes (2011). Ein Beispiel für ein aktuelles Forschungspapier des ZEW, das den Teilaspekt der Verteilungswirkungen der G8-Reformen untersucht, ist Camarero Garcia (2018).

Björklund, Anders, Kjell G. Salvanes (2011). „Education and Family Background: Mechanisms and Policies“. In Hanushek, Eric, Stephen Machin, Ludger Woessmann (Hrsg.) 2011. „Handbook of the Economics of Education“, Vol. 3

Camarero Garcia, Sebastian (2018). „Inequality of Educational Opportunities and the Role of Learning Intensity: Evidence from a Quasi-Experiment in Germany“. ZEW Discussion Paper No. 18-021, Mannheim

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Betreuer der YES!-Teams und Autor des Themenvorschlags:

2018-11-12T16:00:31+00:00