Räumliche Ungleichheit in Deutschland – Was bedeuten gleichwertige Lebensverhältnisse für Kinder und Jugendliche?

Unsere Lebensverhältnisse prägen unseren Alltag und bestimmen maßgeblich unsere Lebensqualität – egal ob in Berlin, an der Ostsee oder im Bayerischen Wald. Denn der Ort, an dem wir leben, beeinflusst unsere Teilhabechancen und Zukunftsperspektiven. Wird eine Region von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt, kann das Unzufriedenheit auslösen. Einem Auseinanderdriften der Regionen wirkt die im Grundgesetz verankerte Leitlinie der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse entgegen.
Die Wissenschaft kann die Politik bei diesem Ziel unterstützen, indem sie misst, wie die Lebensverhältnisse in den verschiedenen Regionen ausgestaltet sind und wie groß die räumliche Ungleichheit überhaupt ist. Dafür muss in erster Linie geklärt werden, wie wir Lebensverhältnisse definieren und welche Faktoren dafür von Bedeutung sind. Gleichwertige Lebensverhältnisse können für Menschen in Hessen etwas anderes bedeuten als für Menschen in Brandenburg, für Stadtbewohner:innen etwas anderes als für Menschen vom Land und für Alte etwas anderes als für Junge. Deswegen beziehen Wissenschaftler:innen in ihren Studien neben objektiven Faktoren auch die Perspektive der lokalen Bevölkerung, beispielsweise über Befragungen, ein. Außer Acht gelassen wird in dem Zuge in der Regel die Perspektiven der Kinder und Jugendlichen, die als Zukunft der Region eigentlich von besonderer Bedeutung sein sollten.
In diesem Zusammenhang stellen sich die folgenden Fragen:

• Was verstehen Kinder und Jugendliche unter gleichwertigen Lebensverhältnissen?
• Was ist jungen Menschen für das Leben in ihrer Region wichtig?
• Sind vor allem die lokalen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse relevant oder spielt auch das vorhandene Versorgungsniveau, die Umweltbedingungen und das kulturelle Angebot eine Rolle?
• Können besonders gute ökologische Verhältnisse (wie z.B. frische Luft, weite Wiesen und Wälder) aufwiegen, dass eine Region wirtschaftlich schwächer oder die Versorgung weniger umfangreich ausgebaut ist?
• Was braucht es, damit Schulabgänger:innen auch nach ihrem Abschluss eine Perspektive in ihrer Region sehen?
• Wie könnte man die Meinung von Kindern und Jugendlichen erheben?

Must-Read – diese Literatur sollte das Team vor dem Kick-Off gelesen/angesehen haben:

Ragnitz, Joachim/Thum, Marcel (2019): Gleichwertig, nicht gleich. Zur Debatte um die „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“, in: https://www.bpb.de/apuz/300052/gleichwertig-nicht-gleich

(gerne selbst den Schwerpunkt setzen und in Teilen lesen) Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (Hrsg.) (2020): Regionale Lebensverhältnisse – Ein Messkonzept zur Bewertung ungleicher Lebensverhältnisse in den Teilräumen Deutschlands, BBSR-Online-Publikation Nr. 06, Bonn.

Weitere Literatur:

Fink, Philipp/Hennicke, Martin/Tiemann, Heinrich (2019): Ungleiches Deutschland. Sozioökonomischer Disparitätenbericht 2019, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

Kersten, Jens/Neu, Claudia/Vogel, Berthold (2015): Der Wert gleicher Lebensverhältnisse, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn.

Wissenschaftlicher Partner

Betreuende Forschende

Max Goldammer

Foto: Privat

Max Goldammer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management an der Universität Leipzig und arbeitet am Kompetenzzentrum für kommunale Infrastruktur Sachsen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der kommunalen Finanzpolitik sowie der kommunalen Sportförderung.

Katharina Kolb

Foto: Privat

Katharina Kolb ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management an der Universität Leipzig und arbeitet im Forschungsinstitut für Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich räumliche Ungleichheit, regionalwirtschaftliche Effekte, öffentliche Leistungen und gleichwertige Lebensverhältnisse.