YES! - Thema 2020

Multilateralismus in der Krise – Wie können wir die internationale Zusammenarbeit retten?

Klimawandel, Migration, fairer Handel – viele große Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht, überschreiten Ländergrenzen und können nur durch internationale Zusammenarbeit bewältigt werden. Deswegen ist Multilateralismus, das heißt, dass mehrere Staaten kooperativ zusammenarbeiten und sich auf gemeinsame Regeln einigen, heute wichtiger denn je. Doch in vielen Ländern sind populistische und autoritäre Kräfte, die ohne Rücksicht auf andere Länder und die Umwelt kurzfristige nationale Interessen verfolgen, an der Macht. Dies führt dazu, dass sich Staaten vermehrt aus internationalen Verträgen zurückziehen, sich nicht an festgelegte Regeln halten und keine gemeinsamen Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit finden.
Seit dem Amtsantritt von Präsident Trump, der rigoros auf eine „America first“-Politik pocht, haben sich zum Beispiel die USA vom INF-Abrüstungsvertrag mit Russland, vom internationalen Atomabkommen mit dem Iran sowie vom Pariser Klimaabkommen abgewendet. Doch selbst in Deutschland, wo sowohl die Regierung als auch die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung internationale Zusammenarbeit zur Lösung globaler Probleme klar befürwortet, stoßen multilaterale Strukturen in der Öffentlichkeit oft auf Skepsis oder Ignoranz.

So sind die G20, das Koordinationsforum der größten Wirtschaftsnationen, bei vielen Menschen unbeliebt und vermutlich nur wenige wissen, welche Aufgaben beispielsweise die Vereinten Nationen (UN) oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erfüllen. Doch multilaterale Kooperation, von der alle Beteiligten profitieren, ist ein wichtiger Baustein für eine gerechtere und lebenswerte Zukunft. Was können wir tun, um die internationale Zusammenarbeit zu retten?

1. Was sind Ursachen für die Ablehnung von multilateraler Kooperation?
– Einige Wirtschaftswissenschaftler sehen in der wachsenden sozialen Ungleichheit die Ursache für das Erstarken von Nationalismus. Was muss sich in der nationalen Politik der Länder ändern, damit multilaterale Zusammenarbeit eine Zukunft hat?
–  Internationale Organisationen und Foren werden häufig für Ineffizienz, mangelnde Transparenz und ungleiche Einflussmöglichkeiten kritisiert. Wie müssen sich internationale Organisationen und Foren verändern, damit das Vertrauen in sie wächst und damit alle Staaten einen Mehrwert in gemeinsamen Lösungen sehen?
2. Was können wir tun, um internationale Kooperation zu stärken?
– Außenminister Heiko Maas hat eine „Allianz der Multilateralisten“ gegründet. Welche Rolle sollte Deutschland in der internationalen Zusammenarbeit einnehmen? Ist die Idee von Außenminister Maas, eine „Koalition der Willigen“ zu schmieden, geeignet, um multilaterale Kooperation zu stärken?
–  Wegen der Komplexität globaler Herausforderungen ist das Finden und Umsetzen multilateraler Lösungsansätze in der Regel ein mühsames und langwieriges Unterfangen, das für weite Teile der Bevölkerung undurchschaubar ist. Populistische Politikerinnen und Politiker dagegen versprechen häufig einfache und schnelle Lösungen. Wie kann man bei der Bevölkerung das Interesse für multilaterale Prozessen wecken und ein besseres Verständnis für die Arbeit der internationalen Organisationen vermitteln? Welchen Beitrag können Schulen hierzu leisten?

Bertelsmann Stiftung (ed.) (2018): “The G20 is turning 20. Time to take stock of multilateralism”, Policy Brief 6/2018. Available at: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/policy-brief-6-2018-the-g20-is-turning-20-time-to-stock-of-multilateralism/.

Gowan, Richard and Anthony Dworkin (2019): “Three crises and an opportunity: Europe’s stake in multilateralism”, European Council on Foreign Relations, Policy Brief September 2019. Available at: https://www.ecfr.eu/publications/summary/three_crises_and_an_opportunity_europes_stake_in_multilateralism.

Pisani-Ferry, Jean (2018). „Should We Give Up on Global Governance?“, Bruegel Policy Contribution, Issue No. 17, October 2018. Available at: https://bruegel.org/2018/10/should-we-give-up-on-global-governance/.

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Betreuer des YES!-Teams und Autoren des Themenvorschlags:

Dennis Görlich

Foto: (c) Ifw Kiel/ Studio 23

Dennis Görlich ist Leiter des Global Challenges Centers am Institut für Weltwirtschaft und Research Director der Global Solutions Initiative. Sein Arbeitsgebiet umfasst u.a. multilaterale Institutionen, insbesondere die G20.

2019-11-12T10:12:54+01:00