Lieferungen auf der letzten Meile – wie können die wirtschaftlichen Ziele der Lieferdienste mit einer ressourcenschonenden Stadtentwicklung vereinbart werden?

Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP-Dienste) sind die Lebensader des Onlinehandels und tragen zur Vielfalt des innerstädtischen Einzelhandels bei. Auch kommunale Entscheidungsträger haben die Bedeutung von KEP-Diensten für die Grundversorgung der Stadt längst erkannt, denn die Dynamik des E-Commerce und die Anforderungen moderner, lebendiger Innenstädte stellen die Stadtlogistik vor enorme Herausforderungen. Die Zahl der Paketlieferungen dürfte allein bis 2022 von derzeit etwa 3,5 Mrd. auf etwa 4,1 Mrd. Sendungen anwachsen. Lärmbelästigung, schlechte Luftqualität und eine überlastete Infrastruktur sind die Folge. Bereits jetzt ist die Paketlogistik für 80% der innerstädtischen Staus verantwortlich. An dieser Stelle sind die Kommunen gefragt, die mit zukunftsfähigen Konzepten die Rahmenbedingungen und Ziele für eine nachhaltige KEP-Logistik festlegen. Die kommunalen Zuständigkeiten sind jedoch stark fragmentiert und unterschiedlich geregelt, was die städteübergreifende Übertragung von neuen Konzepten erschwert.

Gleichzeitig nimmt die Komplexität der Lieferung auf der letzten Meile zu. Die Konsumenten stellen immer höhere Erwartungen an Liefergeschwindigkeit und Termingenauigkeit und wünschen zunehmend Lieferungen am selben Tag (same day delivery) oder Sofortzustellung (instant delivery). Dabei sollen diese Services aus Kundensicht jedoch weitgehend kostenlos sein. Lieferungen an Paketstationen sind zwar ressourcenschonend, bleiben aber relativ unbeliebt.

Auch die Konkurrenz zwischen den Zustellanbietern wird immer undurchsichtiger und größer. Den bekannten KEP-Dienstleistern stehen ständig neue Betreiber und große Onlinehändler gegenüber, die die gesamte Lieferkette kontrollieren wollen. Dabei führen die vielen Paketdienste, die im selben Stadtgebiet mit eigenen Liefernetzwerken operieren, durch die schlechte Kapazitätsauslastung zu höheren Tourenzahlen, steigenden Kosten und einer ineffizienten Stadtlogistik.

Längst werden verschiedene Lösungsabsätze, wie die Auslieferung durch Roboter, Mehrzwecknutzung von Flächen oder die geräuscharme Nachtlieferung in Depots getestet. Vielversprechend erscheinen innerstädtische Zwischenlager, von denen aus die Lieferungen in kleinere, mobilere Elektrofahrzeuge oder Lastenfahrräder umgelagert und im näheren Umkreis verteilt werden. Aus verkehrslogistischer Sicht wäre eine anbieterübergreifende Verteilung auf der letzten Meile wesentlich effektiver. Jedoch möchten sich die Anbieter gegenüber dem Kunden durch unterschiedliche Servicekonzepte differenzieren und scheuen den Austausch von Kundendaten mit der Konkurrenz.

Die Herausforderungen auf der letzten Meile sind dementsprechend vielseitig. Daraus ergibt sich folgende Aufgabenstellung:

Wie könnte ein Logistiksystem unter Berücksichtigung ökonomischer und ökologischer Aspekte beispielsweise für deine Stadt aussehen?

Folgende Fragen können u.a. berücksichtigt werden:

Wo sollen die Verteilerzentren sein? In welchem Umkreis soll jeweils beliefert werden? Welche Fahrzeuge / Systeme sollen eigesetzt werden? Lieferung durch alle KEP-Dienstleister oder anbieterübergreifende Verteilung im Stadtgebiet / in einzelnen Quartieren? Wie könnte eine Kooperation zwischen den konkurrierenden Lieferdiensten gestaltet sein? Welche Daten werden für einen möglichst effizienten Ablauf benötigt und wie können Anreize für Datenallianzen geschaffen werden (KEPs untereinander/Kommunen)?

BIEK (2017), Nachhaltigkeitsstudie 2017 (Innovationen auf der letzten Meile), https://www.biek.de/index.php/
studien.html

BIEK (2015), Nachhaltigkeitsstudie 2015 (Nachhaltige Stadtlogistik durch Kurier- Express- und Paketdienste) https://www.biek.de/
index.php/studien.html

BIEK (2018), KEP-Studie 2018 (Digitaler, effizienter) https://www.biek.de/
index.php/studien.html

BIEK (2017), KEP-Studie 2017 (Wachstum über Grenzen hinweg) https://www.biek.de/
index.php/studien.html

PWC (2017), Aufbruch auf der letzten Meile – Neue Wege für die städtische Logistik https://www.pwc.de/de/
transport-und-logistik/pwc-studie-aufbruch-auf-der-letzten-meile.pdf

McKinsey (2016), An integrated perspective on the future of mobility
http://worldmobilityleadershipforum.com/
wp-content/uploads/2016/11/An-integrated-perspective-on-the-future-of-mobility.pdf

ZF / ETM-Verlag / Fraunhofer- Institut für Materialfluss und Logistik IML (2016), ZF-Zukunftsstudie 2016. Die letzte Meile im Fokus der Innovationen
http://www.zf-zukunftsstudie.de/

Wissenschaftlicher Partner:

Betreuerinnen der YES!-Teams und Autorinnnen des Themenvorschlags:

Dr. Caroline Vogel ist Fachreferentin am ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Einzelhandel, Immobilien und das Beherbergungsgewerbe.

YES!-Themen von Caroline Vogel

Dr. Caroline Vogel ist Fachreferentin am ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Einzelhandel, Immobilien und das Beherbergungsgewerbe.

YES!-Themen von Caroline Vogel

Sabine Rumscheidt ist Fachreferentin am ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Konjunkturumfragen und Handel.

YES!-Themen von Sabine Rumscheidt

Sabine Rumscheidt ist Fachreferentin am ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Konjunkturumfragen und Handel.

YES!-Themen von Sabine Rumscheidt

2018-10-17T09:44:32+00:00