YES! - Thema 2020

Krank, alt, alleine gelassen? Wie kann das Gesundheitswesen den demografischen Wandel verkraften?

In Deutschland gibt es eine dauerhaft niedrige Geburtenrate und eine steigende Lebenserwartung. Das bedeutet, dass es sowohl zu einer Schrumpfung als auch zu einer Alterung der Bevölkerung kommt. Dieses Phänomen wird als demografischer Wandel bezeichnet. Aufgrund der Alterung der Bevölkerung gibt es eine stärkere Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Durch die sinkende Zahl jüngerer Menschen und damit Erwerbspersonen, werden jedoch weniger Ärzte und Pflegekräfte für die Versorgung dieser Menschen zur Verfügung stehen.

Ein weiteres Phänomen ist, dass der demografische Wandel regional sehr unterschiedlich verläuft. In strukturschwachen und ländlichen Regionen liegt der Anteil der über 65-Jährigen bereits heute über dem Durchschnitt Deutschlands, weil vor allem junge Menschen aus diesen Regionen abwandern. Dieser geodemografische Wandel führt in einigen Regionen zu einer Verschärfung in anderen zur Abmilderung der Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Beispielsweise wird in schrumpfenden Regionen die Gesundheitsversorgung nicht in gleicher Weise aufrechterhalten werden können, wie es heute noch der Fall ist. So kann es beispielsweise für ein Krankenhaus aufgrund des Rückgangs der Patientenzahlen schwierig werden kostendeckend zu arbeiten. Insgesamt kann es damit zu einer Gefährdung der Versorgungssituation in strukturschwachen und ländlichen Regionen kommen.
Infolgedessen gilt es Optionen für eine bedarfs- und zukunftsgerechte Gesundheitsversorgung zu entwickeln.

Wie wird der (geo-)demografische Wandel das Gesundheitssystem verändern?

Wie kann das Gesundheitswesen trotz des demografischen Wandels in Zukunft gestaltet werden? Wie kann die Krankenhaus- und Notfallversorgung in Regionen mit abnehmender Bevölkerung gesichert werden?

Wie kann der Zugang zu Gesundheitsleistungen im Allgemeinen in schrumpfenden und alternden Regionen gewährleistet bleiben?

Wübker, A. (2018). Herausforderungen im Gesundheitswesen in Regionen mit sinkenden Bevölkerungszahlen. Wirtschaftsdienst, 98(5), 372-374.

Gerlach, F., Greiner, W., Haubitz, M., Schaeffer, D., Thürmann, P., Thüsing, G., & Wille, E. (2014). Bedarfsgerechte Versorgung – Perspektiven für ländliche Regionen und ausgewählte Leistungsbereiche. Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, Gutachten. (ab Kapitel 5)

Robert Koch-Institut. (2015). Welche Auswirkungen hat der demografische Wandel auf Gesundheit und Gesundheitsversorgung? In Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: RKI.

Rothgang, H., Kalwitzki, T., Unger, R., & Amsbeck, H. (2016). Pflege in Deutschland im Jahr 2030 – regionale Verteilung und Herausforderungen Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.

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Simon Decker

Foto: (c) RWI

Simon Decker ist Wissenschaftler mit gesundheitsökonomischem Fokus. Er forscht unter anderem zum Zusammenhang von Gesundheit und Risikoeinstellungen, dem individuellen Verhalten unter Krankenversicherung und Gesundheitsungleichheiten. Seit Januar 2017 ist Simon Decker Mitarbeiter des Kompetenzbereichs “Gesundheit” am RWI. Darüber hinaus ist er als Managing Director am Leibniz Science Campus Ruhr sowie dem gesundheitsökonomischen Forschungszentrum CINCH (Universität Duisburg-Essen) tätig.

2019-11-20T08:29:46+01:00