YES! - Thema 2019

Jobs für die Zukunft: Traumberuf im Pflegesektor?

Die Pflege- und Betreuungsarbeit als „Beruf, in dem die Arbeitnehmer einen persönlichen Dienst leisten sollen, der die menschlichen Fähigkeiten des Empfängers fördert“ (England et al. 2002: 455) ist für die Gesellschaft von großer Bedeutung. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der zu einer zunehmend alternden Gesellschaft führt, wird der Bedarf an Altenpflegern, Krankenpflegern sowie Betreuern weiter steigen. So kann beispielsweise angesichts der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Frauen und des Rechts auf Kinderbetreuung für Kinder unter drei Jahren davon ausgegangen werden, dass der Bedarf an professionellen KinderbetreuerInnen und LehrerInnen zukünftig ebenfalls weiter ansteigt. Kurz gesagt: Berufe im Sektor Pflege und Betreuung können als „Arbeitsplätze der Zukunft“ betrachtet werden.

In Deutschland ist dieser Sektor heute stark geschlechtsspezifisch geprägt: Während der Anteil weiblicher Beschäftigter im Jahr 2016 beispielsweise 81 % in der Krankenpflege und 85 % in der Altenpflege betrug (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2018a: 6), betrug er in Kindertagesstätten im Jahr 2017 94 % (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2018b: 10).

Unter anderem zählen die intrinsische Motivation und die Arbeitszufriedenheit zu den Beweggründen, weshalb sich Frauen für einen Beruf im Sektor Pflege und Betreuung entscheiden: „Gutes zu tun“ und „das zu tun, was man gut kann“. Trotz dieser intrinsischen Belohnung stehen Pfleger und Betreuer vielen Herausforderungen im Zusammenhang mit ihren Arbeitsbedingungen gegenüber: Unter anderem sind viele Berufe im Sektor Pflege und Betreuung durch vergleichsweise niedrige Löhne und hohe Teilzeitquoten gekennzeichnet, die zum geschlechtsspezifischen Lohngefälle beitragen. Darüber hinaus kann die wahrscheinliche Verschärfung des Arbeitskräftemangels in Deutschlands Altenpflegesektor zu arbeitsbedingtem Stress, Burnout usw. führen.

Angesichts des wachsenden gesellschaftlichen Bedürfnisses nach Pflegern und Betreuern – Altenpflegern, Kinderbetreuern, Krankenpflegern usw. – sind neue Lösungen erforderlich, um das Interesse junger Menschen an Berufen in der Pflege und Betreuung zu wecken. Um eine Verschärfung des (drohenden) Arbeitskräftemangels zu verhindern, sind im Allgemeinen mehr Menschen erforderlich, um dem künftigen Bedarf an Pflege- und Betreuungspersonal gerecht zu werden.

Wie kann die Arbeit im Sektor Pflege und Betreuung für (junge) Menschen attraktiver gestaltet werden, um dem zukünftigen Bedarf an Pflege- und Betreuungspersonal gerecht zu werden? Welche Änderungen sind notwendig, damit Berufe im Sektor Pflege und Betreuung als Traumjobs angesehen werden?

Wie können speziell Männer angesprochen und dazu angeregt werden, sich für einen Beruf im Pflege- oder Betreuungssektor zu entscheiden? Welche Vorteile könnte es mit sich bringen, mehr männliche Pfleger und Betreuer zu haben? Wie kann man traditionelle Geschlechterrollen und Stereotypen angehen und aus dem Weg räumen?

Referenzen: 

England, Paula, et al 2002. “Wages of Virtue: The Relative Pay of Care Work.” Social Problems, Vol. 49, no. 4, pp. 455–473.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2018a. „Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt – Arbeitsmarktsituation im Pflegebereich“, Nürnberg, Mai 2018.

Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2018b. „Berichte: Blickpunkt Arbeitsmarkt –Fachkräfte in der Kinderbetreuung und –erziehung“, Nürnberg, September 2018.

Weiterführende Literatur: 

England, Paula, 2005. Emerging Theories of Care Work. Annual Review of Sociology, 31, pp. 381-399.

Hipp, Lena, Nadiya Kelle & Lydia-Maria Ouart, 2017. Arbeitszeiten im sozialen Dienstleistungssektor im Länder- und Berufsvergleich. WSI Mitteilungen 3/2017.

Reskin, Barbara, 1993. Sex Segregation in the Workplace. Annual Review of Sociology, 19, pp. 241-70.

Schildmann, Christina & Dorothea Voss: Aufwertung von sozialen Dienstleistungen. Warum sie notwendig ist und welche Stolpersteine noch auf dem Weg liegen, Report der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 4, Juni 2018.

Mit Unterstützung von

I Craig from Glasgow, Scotland [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Wissenschaftlicher Partner:

Betreuer der YES!-Teams und Autor des Themenvorschlags:

Friederike Molitor

Friederike Molitor promoviert am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) im Promotionskolleg „Gute Arbeit“ zum Thema „Online Labour Markets. The Digital Organisation of Care Work“. Sie arbeitet seit 2015 am WZB und hat zuvor ihren Master in Soziologie an der Freien Universität Berlin abgeschlossen.

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2018-11-23T10:47:18+00:00