YES! - Thema 2020

Financial Literacy: Learning Beyond the Curriculum – Lessons for Life

„Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ‘ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ (Schülerin aus Köln, 17 Jahre)

Vielleicht kennt ihr dieses Zitat einer 17-jährigen Schülerin aus Köln, oder vielleicht ergeht es euch ja ähnlich? Was die Schülerin beschreibt, kann im weiteren Sinne unter dem Begriff „Financial Literacy“ (Finanzkompetenz bzw. finanzielle Allgemeinbildung) zusammengefasst werden und beinhaltet Kenntnisse über die Planung und Verwaltung der eignen Finanzen, Geldanlagen und Kredite sowie Wissen über wirtschaftlich relevante Konzepte wie etwa Zinseszinsrechnung oder Risikodiversifikation. Der Kenntnisstand in Sachen Financial Literacy weist in den verschiedenen Bevölkerungsgruppen und Ländern erhebliche Unterschiede auf (siehe Lusardi and Mitchell, 2011b; Atkinson and Messy, 2012; Klapper et al. 2015; OECD/INFE 2016).

Schon vor 2000 Jahren kritisierte der römische Schriftsteller und Philosoph Lucius Seneca– mit der Aussage „nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ die Schulen seiner Zeit. Obwohl sich natürlich im Laufe der Jahre einiges im Bildungssystem getan hat, sehen die Lehrpläne in Deutschland auch heute kaum Fächer vor, die sich mit den Themen des Erwachsenenalltags (z.B. Organisation der privaten Finanzen, Erstellung von Steuererklärungen, Abschluss von Verträgen und privaten Versicherungen, Altersvorsorge) beschäftigen.

Die neuen Medien und Technologien haben in den letzten Jahren die Bildungs- und Wissenstransferlandschaft stark beeinflusst. Dank des Internets stehen uns heutzutage viele unterschiedliche Inhalte auch außerhalb des Lehrplans oder Hörsaals relativ zeit- und kostengünstig zu Verfügung. Für uns bedeutet das, aus einem Angebot unzähliger Produkte, Anzeigen, Websites, Erfahrungsberichte, Bewertungen und Foren genau die für uns passende Option herauszufiltern. Ausgelöst durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, engagieren sich mittlerweile auch immer mehr Institutionen wie etwa Banken und Finanzdienstleister im Bereich der Finanzbildung. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass Informationsmaterialien von solchen Institutionen mitunter auch den Eigeninteressen dienen, ist nicht klar, inwieweit diesen Materialien vertraut werden kann (Fuhrmann 2013).

Wie aus dem Zitat hervorgeht, gibt es noch viele weitere Bereiche, mit denen sich (junge) Erwachsene im Laufe ihres Lebens immer wieder konfrontiert sehen. Um neben dem Lernen für die Schule auch das lebenslange Lernen zu fördern, sollten auch diese „Lessons for Life“ möglichst frühzeitig thematisiert werden.

Wie kann Financial Literacy frühzeitig gefördert werden, um Jugendlichen auch in dieser Hinsicht einen erfolgreichen Start ins Erwachsenenleben zu ermöglichen? Wie könnte ein nachhaltiger Vorschlag aussehen, diese Inhalte zu vermitteln und vielleicht auch Erwachsenen eine Möglichkeit bieten, sich in Sachen Finanzen, Versicherungen und Co. weiterzubilden?

Atkinson, Adele and Flore-Anne Messy (2012). Measuring Financial Literacy: Results of the OECD/International Network on Financial Education (INFE) Pilot Study. OECD Working Papers on Finance, Insurance and Private Pensions 15. Paris: OECD Publishing.

Driva, A., Lührmann, M., Winter, J. (2016). “Gender differences and stereotypes in financial literacy: Off to an early start.” Economics Letters, 146, 143–146.

Fuhrmann, B. (2013). “Don’t know much about economics and business” Economic und financial literacy als wesentliche, jedoch vernachlässigte Bildungsziele. WissenPlus (4): I-VIII.

Klapper, Leora, Annamaria Lusardi, and Peter van Oudheusden (2015). Financial Literacy Around the World: Insights from the Standard & Poor’s Ratings Services Global Financial Literacy Survey. Retrieved from http://gflec.org/wp-content/uploads/2015/11/3313-Finlit_Report_FINAL-5.11.16.pdf?x87657 (2019, October 6).

Lusardi, A., & Mitchell, O. S. (2011a). The outlook for financial literacy. In O. S. Mitchell & A. Lusardi (Eds.), Financial literacy: implications for retirement security and the financial marketplace (pp. 1–15). Oxford: Oxford University Press.

Lusardi, A., & Mitchell, O. S. (2011b). Financial literacy around the world: an overview. Journal of Pension Economics and Finance, 10(4), 497–508.

Lührmann, M., Serra-Garcia, M., Winter, J. (2015). “Teaching teenagers in finance: Does it work?” Journal of Banking & Finance, 54, 160–174.

Lührmann, M., Serra-Garcia, M., Winter, J. (2018). “The impact of financial education on adolescents’ intertemporal choices.” American Economic Journal: Economic Policy, 10(3), 309–332.

OECD/INFE (2016). OECD/INFE International Survey of Adult Financial Literacy Competencies. Retrieved from http://www.oecd.org/daf/fin/financial-education/oecd-infe-survey-adult-financial-literacy-competencies.htm (2019, October 6)

OECD/INFE (2015a). 2015 OECD/INFE Toolkit for measuring financial literacy and financial inclusion. Retrieved from http://www.oecd.org/daf/fin/financialeducation/2015_OECD_INFE_Toolkit_Measuring_Financial_Literacy.pdf (2019, October 6).

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Betreuer der YES!-Teams und Autoren des Themenvorschlags:

Markus Zimmer

Photo: (c) ifo Institut

Dr. Markus Zimmer promovierte 2008 an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Das Thema seiner Dissertation lautete “Assessing Global Change from a Regional Perspective: An Economic Close-Up of Climate Change and Migration”. Seit 2004 forscht er am ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen.

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Photo: (c) ifo

Dr. Markus Zimmer erwarb seine Promotion zum Dr. oec. publ. an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Thema seiner Dissertation lautete “Assessing Global Change from a Regional Perspective: An Economic Close-Up of Climate Change and Migration”. Seit 2004 arbeitet er am ifo Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen.

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Carla Rhode

Foto: ifo

Carla Rhode ist als Datenbankspezialistin seit Mai 2017 am ifo Zentrum für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung tätig. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Institutionenvergleich und Politikberatung zum Thema Migrationsökonomik.

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Foto: ifo

Carla Rhode ist als Datenbankspezialistin seit Mai 2017 am ifo Zentrum für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Migrationsökonomie, Erziehungs- und Entwicklungsökonomie.

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Tanja Stitteneder

Tanja Stitteneder ist als Datenbankspezialistin seit März 2018 am ifo Zentrum für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung tätig. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen Institutionenvergleich und Politikberatung zum Thema Migrationsökonomik.

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Tanja Stitteneder ist als Datenbankspezialistin seit März 2018 am ifo Zentrum für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung tätig. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen Migrationsökonomie und Makroökonomie.

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Sarah Reiter

Foto: (c) ifo Institut

Sarah Reiter ist Doktorandin am Zentrum für Internationalen Institutionenvergleich und Migrationsforschung am ifo Institut in München. Sie hat einen Masterabschluss in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich aktuell mit den Themen Finanzintermediation, Finanzbildung und Finanzentscheidungen privater Haushalte.

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2019-11-07T22:25:51+01:00