YES! - Thema 2020

Fakten statt Fake News – Warum Wissenschaftskommunikation im digitalen Raum immer wichtiger wird

Bei einer Rede im Sommer 2018 gab der US-amerikanische Präsident Donald Trump vor seinen An­hängern im US-Bundesstaat Kansas zu Protokoll: „Just stick with us, don’t believe the crap you see from these people, the fake news. Just remember, what you’re seeing and what you’re reading is not what’s happening.” Zu Deutsch etwa: “Glaubt den Stuss nicht, den euch diese Leute erzählen, die falschen Nach­richten. Denkt immer daran, was ihr seht und lest, entspricht nicht der Realität.“ Sinngemäß legt Trump den Menschen damit nahe, der eigenen Sinneswahrnehmung nicht zu trauen.

Wie kein anderes Staatsoberhaupt hat der amtierende US-Präsident den Begriff „Fake News“ geprägt – vor allem im Zusammenhang mit unliebsamer Berichterstattung von Medien wie dem Nachrichten­sender CNN oder der Zeitung New York Times. Aus der Perspektive des Weißen Hauses unter Trump sind diese Medien „dishonest“, also unehrlich oder gar verlogen. In Kombination brandmarken die Begriffe FAKE und NEWS die Kontrollfunktion von Medien als „vierter Gewalt“, die sich in verfassungs­­rechtlich geschützter unabhängiger, freier und kritischer Berichterstattung entfaltet.

Gleichzeitig nutzen Politiker wie Donald Trump und populistische Bewegungen wie die AfD oder Pro-Brexit gezielt Desinformation als Instrument, um Mensch auf der Basis „gefühlter Wahrheiten“ zu mobilisieren. Ihre Wahlerfolge zeigen, dass es ihnen gelingt. In der Wahrnehmung vieler Bürger/innen sind Wissenschaft und Leitmedien oft wenig glaubwürdig. Wähler/innen „informieren“ sich mehr und mehr online durch nicht abgesicherte, aber wirkungsmächtige Newsfeeds.

Medien sind aber als virtuelles öffentlichkeitswirksames Korrektiv auf belastbare Quellen angewiesen, die ihnen Grundlagen und Inhalte für ihre Berichterstattung liefern – so auch auf Fakten, die wiederum auf Forschungsergebnissen von Wissenschaftler/-innen fußen. Fakten aus empirischen Analysen zum Beispiel zur Euro- und Staatsschuldenkrise, zu steigenden Miet- und Immobilienpreisen oder zum Klimawandel sind die Antwort auf „alternative Fakten“, wie sie das Weiße Haus zu Trumps Amtsein­führung präsentiert hat. Sie sind die Nadel, die Filterblasen in sozialen Netzwerken zum Platzen bringen.

Das Vermitteln von Fakten an Medien und die breite Öffentlichkeit, quasi die Übersetzung von For­schungsergebnissen in griffige, allgemein verständliche Aussagen und Feststellungen, ist Aufgabe der Wissenschaftskommunikation – eine Aufgabe, die in der digitalen Öffentlichkeit umso wichtiger wird, je mehr sich Menschen auf die selektierende Wirkung von Algorithmen in ihren Newsfeeds verlassen und nur noch Informationen zulassen, die zur eigenen subjektiven Meinung passt.

Wie entstehen und verbreiten sich Fake News/Filterblasen? Was ist falsch und was echt – wie lassen sich wissenschaftlich erwiesene Fakten von Verschwörungstheorien unterscheiden?

Wie kann faktenbasiertes Wissen systematisch in Debatten in sozialen Netzwerken eingebracht werden? Wie lassen sich Nutzer/innen sozialer Medien (wieder) davon überzeugen, dass For­schungs­ergebnisse allgemein gültige Fakten liefern? Wie kann eine verantwortungsvolle Diskussionskultur im Netz gestärkt werden ohne Gefahr zu laufen, staatlicher Zensur Vorschub zu leisten?

Welchen Beitrag können Schulen, Schülerinnen und Schüler leisten, um der Verbreitung von Fake News entgegenzutreten?

Wie muss Wissenschaft kommuniziert werden, damit sie Menschen bei konkreten alltäglichen Problemen wie der Steuererklärung, Versicherungen oder dem Wechsel von Stromanbietern hilft? Welche Hürden haben die Wissenschaft und ihre Kommunikatoren/-innen selbst zu nehmen, damit sie Fakten verständlich vermitteln können und Menschen damit erreichen?

Wie lässt sich das Internet dafür nutzen, wissenschaftliche Fakten verfügbar zu machen und darzustellen?

Zum Stichwort Filterblase: Eli Pariser, The Filter Bubble: What the Internet Is Hiding from You. Penguin Press, New York, 2011,

Zum Stichwort Fake News: https://www.bpb.de/gesellschaft/medien-und-sport/fake-news/

Empirische Fakten und Hintergründe zum Phänomen Fake-News in Deutschland: https://www.stiftung-nv.de/sites/default/files/snv_fakten_statt_fakes.pdf

Zum Auftritt von Donald Trump in Kansas: https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-politics/trump-speech-fake-news-1984-orwell-kansas-a8463471.html

Wissenschaftlicher Partner:

Betreuerinnen der YES!-Teams und Autorinnen des Themenvorschlags:

Daniela Heimberger

Foto: ZEW

Dr. Daniela Heimberger studierte Politikwissenschaft, Geschichte und Romanistik in Heidelberg, Lyon und Freiburg. 2001 schloss sie ihre Promotion in Politikwissenschaft zur französischen rechtsextremen Partei Front National ab („Der Front National im Elsaß“). Arbeitsaufenthalte beim deutsch-französischen Fernsehsender ARTE in Straßburg und bei den Vereinten Nationen in New York (Press Department) folgten. Vor ihrer Tätigkeit am ZEW in Mannheim arbeitete Daniela sechs Jahre für die Europäische Kommission in Brüssel (Generaldirektion Forschung und Innovation), wo sie die Koordinierung des Gesetzgebungsverfahrens zwischen EU-Kommission, Ministerrat und Europäischem Parlament begleitete.

YES!-Themen von Daniela Heimberger

Theresa Heep

Foto: ZEW

Theresa Heep studierte Politikwissenschaft, Anglistik/Amerikanistik sowie Soziologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, an der Universität Mannheim und an der San Diego State University in den USA. Der Schwerpunkt ihres Studiums lag im Bereich Internationale Beziehungen sowie Umwelt- und Klimapolitik. Sie absolvierte Praktika im Deutschen Bundestag, im Europäischen Parlament und bei der BASF SE. Sie war außerdem als Werkstudentin bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und der Forschungsgruppe Wahlen e.V. tätig. Nach Abschluss ihres Studiums folgte ein zweijähriges PR-Volontariat  am ZEW. Derzeit ist sie als Referentin Online-Kommunikation im ZEW-Servicebereich „Presse und Redaktion“ tätig.

YES!-Themen von Theresa Heep

2020-11-02T09:17:38+01:00
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