YES! - Thema 2019

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland – Ein Modell für die Zukunft oder utopisches Wunschdenken?

In der öffentlichen Debatte wird die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) zunehmend diskutiert. Darunter versteht man ein Finanztransferkonzept, bei dem jede Bürgerin und jeder Bürger vom Staat eine festgelegte Transferleistung erhält. Das Grundeinkommen wird als bedingungslos bezeichnet, da es nicht von der individuellen wirtschaftlichen Situation abhängig ist (Einkommen, Arbeitslosigkeit, etc.). In der Regel geht damit die Abschaffung der meisten bisherigen Transferleistungen einher, beispielsweise dem Arbeitslosengeld.

Die BefürworterInnen des BGE sehen darin die Chance, Einkommen gerechter zu verteilen und allen

Bürgerinnen und Bürgern eine Beteiligung am sozialen Leben zu ermöglichen. So profitieren von einem Grundeinkommen auch jene Personen, die zurzeit durch ihre Tätigkeit zwar einen sozialen Mehrwert schaffen, für diese aber nicht entlohnt werden (z.B. Erziehung der Kinder, Altenpflege etc.). Zudem ermöglicht ein BGE ein würdevolles Leben, ohne dass sich Teile der Gesellschaft durch den Sozialstaat als Empfänger von Transferleistungen stigmatisieren lassen müssen. Gegen das Grundeinkommen spricht hingegen, dass damit wichtige Arbeitsanreize wegfallen. Dies gefährdet das Wirtschaftswachstum und -leistung, was beispielsweise in Bezug auf die Sicherung der Renten gefährlich wäre. Zudem wird bezweifelt, dass ein BGE überhaupt finanzierbar ist und über welche Kanäle. Unsicher ist auch, welche Personen ein BGE erhalten sollen (BürgerInnen, EinwohnerInnen etc.) und ob der damit einhergehende Anstieg der Immigration die Finanzierung langfristig gefährdet oder gar verunmöglicht.

Es stellt sich daher die Frage, wie und ob ein BGE in Deutschland eingeführt werden könnte. Die

Herausforderung besteht darin, einen konkreten Plan zur Einführung eines BGE auszuarbeiten. Dabei sollen vor allem politische und ökonomische Schwierigkeiten untersucht werden.

  • Welche Gründe sprechen für ein BGE?
  • Welche Probleme sollen mit einem BGE gelöst werden (z.B. Ungleichheit oder Armut)? Ist es zu erwarten, dass ein BGE diese Probleme auch wirklich löst?
  • Wäre ein “bedingtes” Grundeinkommen eine Alternative?
  • Kann ein BGE (langfristig) finanziert werden? Wie?
  • Mit welchen ökonomischen Schwierigkeiten sind zu rechnen (z.B. fehlende Arbeitsanreize)?
  • Welche politischen und rechtlichen Schwierigkeiten könnten entstehen?
Es gibt zahlreiche Organisation, die sich für die Einführung eines BGE einsetzen (z.B. GenerationGrundeinkommen, Netzwerk Grundeinkommen, Mein Grundeinkommen).

Folgende Publikation simuliert ein BGE für mehrere Länder: Browne und Immervoll (2017): Mechanics of replacing benefit systems with a basic income: comparative results from a microsimulation approach. Journal of Economic Inequality 15, p. 325-344.

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Betreuer der YES!-Teams und Autor des Themenvorschlags:

Photo: (c) ifo Institute

Marc Stöckli ist Doktorand und Nachwuchsforscher am ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen. Seine Forschungsfelder beinhalten die Einkommens- und Chancenungleichheit. Er arbeitet derzeit an einem Projekt zur Simulation der Einführung eines bedingungsloses Grundeinkommens in allen 28 EU-Staaten.

YES!-Themen von Marc Stöckli

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Marc Stöckli ist Doktorand und Nachwuchsforscher am ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen. Seine Forschungsfelder beinhalten die Einkommens- und Chancenungleichheit. Er arbeitet derzeit an einem Projekt zur Simulation der Einführung eines bedingungsloses Grundeinkommens in allen 28 EU-Staaten.

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2018-10-26T10:28:55+00:00