Egal gibt es nicht – Wie der Kontext (Budget-)Entscheidungen beeinflusst

Viele ökonomische wie politische Entscheidungen werden typischerweise als „vernünftig“ und „sinnvoll“ beschrieben, nachdem sie getroffen worden sind (eine Zeit lang war modern von „alternativlos“ zu sprechen). Das suggeriert, dass keine andere Entscheidung möglich war.

Die Forschung zeigt, dass viele Entscheidungen allerdings schon allein vom Kontext abhängig sind, auch wenn der Kontext zu dem objektiv zu entscheidenden Sachverhalt (eigentlich) keine relevanten Informationen liefert. Was bedeutet das nun für all die angeblich alternativlosen Entscheidungen? Mindestens wohl schon mal, dass es auch wichtig ist zu entscheiden, in welchem Kontext sie getroffen werden sollen.

Bei der Verteilung von Budgets kämpfen oft viele Gruppen um Anteile (in der Schule verschiedene Fachbereich, AGs, etc.; in der Politik verschiedene Ressorts; in der Familie verschiedene Familienmitglieder). Untersucht werden soll, wie sich Kontexteffekte zum Beispiel bei der Aufteilung des Familienbudgets auf neue Technik (einen Computer für die Kinder), Urlaub oder ein Haustier mit dem Kontext der Entscheidung verändern und wie sich sozial/gesellschaftlich wünschenswerte Aufteilungen durch Veränderungen in Entscheidungskontexten ggf. fördern lassen.

Obwohl das Thema „Framing von Entscheidungen“ ein allgemeineres ist, ist es hier bewusst mit einem Fokus auf Budgetaufteilen beschrieben, um den Rahmen ein bisschen zu konkretisieren.

Mögliche Fragestellungen ergeben sich, sobald man eine Budgetsituation vorgibt und mögliche Zwecke zur Verwendung. Nicht zuletzt im Kontext von Corona stellt sich die Frage, wie vorhandene Gelder eingesetzt werden sollen.

Zentrale für alle möglichen konkreten Fragen ist dabei, welche Aspekte es Kontextes auf die Entscheider wirken und warum.

Untersucht werden können entsprechende Frage gut dadurch, dass man eine Befragung durchführt und dabei entweder verschiedene Kontexte vorgibt oder die Teilnehmer der Befragung durch entsprechende vorab zu erledigende Aufgaben „framed“ (Charities etwa zeigen meist Bilder von leidenden Kindern, bevor zur Spende aufgerufen wird).

Eine konkrete Literaturliste wird nachgereicht. Google-Scholar-Suche zu Framing Effects oder Identity oder Nudging sollte erste Ansätze liefern.

Wissenschaftlicher Partner

Betreuende Forschende:

Philipp Wichardt

Foto: Uni Rostock

Philipp Wichardt ist seit 2012 Inhaber des Lehrstuhls für Mikroökonomie an der Universität Rostock. Als gebürtiges Nordlicht (Kiel) ist er gern zurück an der Ostsee. Zuvor hat er in Bonn, Kiel und Lund (Schweden) studiert. Im Anschluss war er als Doktorand an der Bonn Graduate School of Economics mit Aufenthalten in London (UCL) und Zürich (IEW). 2006 hat Herr Wichardt in Bonn seine Promotion abgeschlossen. Nach Vertretungsprofessuren in Bonn und München kam er nach Rostock. Herr Wichardt ist Assoziertes Mitglied am Institut für Weltwirtschaft in Kiel und Research Fellow am CESifo München.

In seiner Forschung beschäftigt sich Herr Wichardt vorrangig mit psychologischen Einflussfaktoren auf individuelle (ökonomische) Entscheidungen, spieltheoretischen Modellen zur Modellierung nicht rationalen Verhaltens sowie wissenschaftstheoretischen Fragen zu dem Problem, wie Modelle in den Wissenschaften zu verstehen sind, wenn doch immer Annahmen enthalten sind, die so nicht wirklich stimmen.

Herr Wichardt hat einen Sohn und ist glühender Anhänger des THW Kiel.

Fynn Kemper

Foto: Uni Rostock

Fynn Kemper promovierte 2021 am Lehrstuhl für Mikroökonomie in Rostock. Zuvor studierte der Gebürtige Rostocker Wirtschaftsmathematik an der Universität Rostock. Seine Forschungsschwerpunkte sind individuelles Risikoverhalten und nicht-monetäre Faktoren individueller Entscheidungen.

Herr Kemper hat einen Sohn und ist ein großer Autofan.