Die Zeit nach Corona – was ändert sich nachhaltig in der Bildung?

Die Zeit der Corona-Pandemie hat den Notstand der mangelnden Digitalisierung in Deutschland – speziell im Bildungssektor – verdeutlicht. Weniger Unterricht, geschlossene Schulen und eingeschränkte soziale Kontakte zeigen kurzfristig wie langfristig massive Auswirkungen für Schülerinnen und Schüler. Wößmann (2020) zeichnet ein teilweise recht düsteres Bild. Die Folgekosten geschlossener Schulen reichen von ökonomischen Konsequenzen, wie geringeres Wachstum durch fehlende Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, über sozio-emotionale Kosten durch fehlenden sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen bis hin zu geringeren beruflichen Erfolgen (z.B geringeres Einkommen, geringere Wahrscheinlichkeit überhaupt eine Beschäftigung aufzunehmen). Da Lernen ein dynamischer Prozess ist, das heißt Inhalte und Kompetenzen aufeinander aufbauen, müssen diese kontinuierlich erprobt und verbessert werden. Das war zu Zeiten der Corona-Pandemie nicht konsequent möglich. Wird etwas aber nicht oder nicht ausreichend erlernt, fehlen grundlegende Kompetenzen für den weiteren Wissenserwerb. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass bei vielen Schülern und Schülerinnen die Lernmotivation während des Home-Schoolings durch die Corona-Pandemie gesunken ist (vgl. Geis-Thöne 2020).

Es gibt aber auch positive Auswirkungen, die die Corona-Pandemie mit sich gebracht hat. Allem voran gab es einen Schub in der Digitalisierung der Schulen. Dieser reicht zwar bei weitem noch nicht aus, um eine Verstetigung digitaler Unterrichtsanteile zu gewährleisten, ist aber ein guter Anfang. Zudem konnten die Lernenden durch die asynchrone Lehre ihr Lerntempo selbst bestimmen, was u.a. die Selbstlernkompetenz und das individuelle Zeitmanagement gefördert hat. Dadurch wurde aber auch deutlich, dass der Lernerfolg nicht nur den Lehrenden zuzuschreiben ist, sondern dass alle Beteiligten einen erheblichen Beitrag leisten müssen. Das betrifft sowohl Schülerinnen und Schülern, deren Eltern, das Lehrpersonal wie auch die Politik.

Must-Read – diese Literatur sollte das Team vor dem Kick-Off gelesen/angesehen haben:

WÖßMANN, LUDGER (2020): Folgekosten ausbleibenden Lernens: Was wir über die Corona-bedingten Schulschließungen aus der Forschung lernen können. In: ifo Schnelldienst, 73(6), S. 38-44.
Zugang: https://www.ifo.de/publikationen/2020/aufsatz-zeitschrift/folgekosten-ausbleibenden-lernens-was-wir-ueber-die-corona

Weitere Literatur:

ENGELS, BARBARA (2020): Corona: Stresstest für die Digitalisierung in Deutschland. In: IW-Kurzbericht, 23, S. 1-4.
Zugang: https://www.econstor.eu/handle/10419/215503.

GEIS-THÖNE, WIDO (2020): IW-Report – Lernmotivation und Freude an der Schule. Eine Auswertung des Nationalen Bildungspanels.
Zugang: https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Report/PDF/2020/IW-Report_2020_Lernmotivation.pdf, abgerufen am 24.06.2021.

HUEBENER, MATHIAS/ SCHMITZ, LAURA (2020): Corona-Schulschließungen: Verlieren leistungsschwächere SchülerInnen den Anschluss? In: DIW aktuell, 30, S. 1-6.
Zugang: https://www.econstor.eu/handle/10419/216975.

HUEBENER, MATHIAS/ SPIEß, C. KATHARINA/ ZINN, SABINE (2020): SchülerInnen in Corona-Zeiten: Teils deutliche Unterschiede im Zugang zu Lernmaterial nach Schultypen und -trägern. In: DIW Wochenbericht, 47, S. 865-876.
Zugang: https://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.804559.de.

TENGLER, KARIN/ SCHRAMMEL, NATALIE/ BRANDHOFER, GERHARD (2020): Lernen trotz Corona. Chancen und Herausforderungen des distance learning an österreichischen Schulen. In: Medienimpulse, 58(2), S. 1-37.
Zugang: https://journals.univie.ac.at/index.php/mp/article/view/3637.

Wissenschaftlicher Partner

Betreuende Forschende

Walli Hoffmann

Foto: Juliane Theiß

Nach dem Abitur absolvierte Walli Hoffmann zunächst eine Ausbildung als Physiotherapeutin in Leipzig und arbeitete in diesem Beruf bis 2013 im Neurologischen Rehabilitationszentrum Bennewitz bei Leipzig. Ende 2013 entschied sie sich die Perspektive zu wechseln und studierte an der Universität Leipzig zunächst Wirtschaftswissenschaften im Bachelor und anschließend Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing, Service und Distribution im Master. Diesen schloss sie 2019 ab. Während ihres Studiums war sie bereits als Tutorin am Lehrstuhl für Dienstleistungsmanagement tätig und arbeitete auch als studentische Hilfskraft im Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW in Leipzig. Nach Abschluss des Masterstudiums begann sie an der Professur für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Dienstleistungsmanagement als Wissenschaftliche Mitarbeiterin. Dort ist sie vor allem für die Lehre der Bachelor- und Masterstudiengänge zuständig. Parallel arbeitete sie auch bis Mitte 2021 im Fraunhofer IMW und führte dort wissenschaftliche und Industrieprojekte in verschiedenen Themenbereichen durch.

Juliane Theiß

Foto: Walli Hoffmann

Nach dem Abitur 2006 verabschiedete sich Juliane Theiß aus dem Norden Deutschlands, studierte Internationales Management (B.Sc.) an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg und vertiefte anschließend das wirtschaftswissenschaftliche Wissen mit dem Master of Science Betriebswirtschaft in den Schwerpunkten Marketing und Internationales Management an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Studienabschluss im Frühjahr 2013 begann sie als Produktmanagerin, u.a. im privaten Bildungssektor, zu arbeiten, bevor sie sich im Sommer 2017 bewusst für die Rückkehr an die Universität entschied. An der Professur für Personalwirtschaftslehre an der Universität Leipzig erhielt sie die Möglichkeit, ihrer Begeisterung an der Lehrtätigkeit nachzukommen sowie sich persönlichen Forschungsschwerpunkten zu widmen. Diese umfassen vor allem das Interkulturelle und Internationale Management, den weiten Bereich des Diversity Managements und Psychologische (Arbeits-)Verträge.