YES! - Thema 2019

Der Aufstieg des Populismus: Faktoren und Konsequenzen

Populismus liegt im Trend. Populistische Parteien regieren in diversen Ländern, selbst in den U.S.A. Was ist Populismus? Was sind die ökonomischen und politischen Faktoren und Konsequenzen einer aufstrebenden populistischen Politik? Wie agieren populistische Anführer und ihre Parteien typischerweise, wenn sie im Amt sind, und wie reagieren Gesellschaften, die Märkte und die anderen politischen Akteure? Diese Fragen sind der Gegenstand einer andauernden und hitzigen Debatte unter Wissenschaftlern, an der ihr nun teilhaben könnt.

Als Teilnehmer dieser Diskussion könnt ihr aus einem großen Reservoir von wissenschaftlichen Veröffentlichungen schöpfen, um tiefer in den Diskurs über Themen wie die Faktoren einer populistischen Herrschaft einzutauchen. Forschende wie Ronald Inglehart und Pippa Noris (2016) argumentieren, dass die Aufstieg des Populismus als eine kulturelle Reaktion gegen die wachsende, weltoffene Gesellschaft. Der renommierte Ökonom Dani Rodrik (2017) bezweifelt diese Behauptung und betont, dass die Globalisierung schockiert und ökonomische Unsicherheiten jedem populistischen Erfolg zugrunde liegen.

Bei der Betrachtung der Konsequenzen, beschreiben Rüdiger Dornbusch und Sebastian Edwards (1990) die ökonomischen Folgen als desaströs. Die derzeitigen ökonomischen Entwicklungen in den U.S.A. und Polen scheiden diese Aussage jedoch zu widerlegen. Betrachtet man jedoch die Türkei, könnte man zu dem Schluss kommen, die die wirtschaftlichen Konsequenzen des Populismus erst auf längere Sicht erkennbar werden. In Bezug auf die Gesellschaft beschreiben die Populismusexperten Cas Mudde und Rovira Kaltwasser (2017) dass der gesellschaftliche Zusammenhalt und die demokratischen Institutionen gefährdet sein können durch den politischen Diskurs der Populisten, insbesondere wenn sie an der Macht sind.

Diese kurze Einführung zeigt, wie breit das Spektrum sein kann für eine Erforschung des Phänomens „Populismus“. Sehr viele Beiträge in der Forschung beschäftigen sich mit diesem Phänomen, aber viele der genannten Fragen sind bisher unbeantwortet. Und diese machen das Forschungsgebiet so interessant, denn die Folgen des Populismus könnten die ökonomische Entwicklung, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und auch die demokratischen Institutionen selbst bedrohen.

Algan, Yann, Sergei M. Guriev, Elias Papaioannou, and Evgenia Passari. 2017. “The European Trust Crisis and the Rise of Populism.” CEPR DP 12444.

Bakker, Bert N., Matthijs Rooudijn, and Gijs Schumacher. 2015. “The psychological roots of populist voting: Evidence from the United States, the Netherlands and Germany.” European Journal of Political Research, 55.2: 302-320.

Becker, Sascha O., Thiemo Fetzer, and Dennis Novy. 2017. “Who Voted for Brexit? A Comprehensive District-level Analysis.” Economic Policy, 32.92: 601-650.

Dornbusch, Rudiger, and Sebastian Edwards. 1990. “Macroeconomic Populism.” Journal of Development Economics 32.2: 247-277.

Guiso, Luigi, Helios Herrera, Massimo Morelli, and Tommaso Sonno. 2017. “Demand and Supply of Populism.” CEPR DP11871.

Inglehart, Ronald F., and Pippa Norris. 2016. “Trump, Brexit, and the Rise of Populism.” Harvard Kennedy School, Faculty Research WP 16-026.

Mudde, Cas, and Cristobal Rovira Kaltwasser. 2017. Populism: A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press.

Mudde, Cas, and Cristobal Rovira Kaltwasser. 2012. Populism in Europe and the Americas: Threat or Corrective for Democracy? Cambridge: Cambridge University Press.

Müller, Jan-Werner. 2016. What is populism? Philadelphia, PA: University of Pennsylvania Press.

Rogoff, Kenneth S., 2016. Growing Out of Populism? Project Syndicate. Ressort Economics, 07th  December. URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/
global-growth-versus-populism-by-kenneth-rogoff-2017-04

Rodrik, Dani. 2017. “Populism and the Economics of Globalization.” NBER WP 23559.

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Betreuer der YES!-Teams und Autoren des Themenvorschlags:

Manuel Funke

Dr. Manuel Funke ist seit 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft Kiel. Seine Forschungsschwerpunkte sind Populismus – ökonomische Determinanten und Konsequenzen sowie politische und soziale Folgen von Finanzkrisen. Er promovierte in Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin.

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Michael Bayerlein

Michael Bayerlein ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft Kiel seit 2017. Seine Forschungsschwerpunkte sind Populismus- und Extremismusforschung, Politische Ökonomie und Parteienforschung.

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2018-12-05T12:06:06+00:00