Das digitale Finale 2020 – ein Dankeschön an alle

2020 war ein Jahr der ersten Male: spontane Umstellung auf rein digitale Kick-Offs und Fachgespräche, digitale Regionalfinale, digitales Finale, so viele nationale und internationale Sprecherinnen wie nie zuvor und die Keynote-Ansprache eines EU-Kommissars. Ein gutes halbes Jahr voller neuer Herausforderungen gipfelte in einem fulminanten 3-Tage-Event, bei dem wir wieder inspirierende Ansätze hörten und sich unsere Schulteams hoch motiviert den kritischen Fragen der Expert*innen stellten.

Wie kann man eine Veranstaltung wie ein YES! Finale in ein erfolgreiches digitales Format bringen, wenn doch genau das, was fehlen würde, was den Event ausmacht: der direkte Austausch zwischen den Teams und den Expert*innen, die vielen Gespräche in den Pausen und das Gemeinschaftsgefühl in einem großen Saal?

Kurze Antwort: Mit viel Vorbereitung, einem souveränen Moderationsduo, interessierten Expert*innen aus den unterschiedlichsten Ländern und vor allem mit Schulteams, die leidenschaftlich ihre Ideen präsentierten und vor allem an den Vorschlägen der anderen Teams interessiert waren.

An allen drei Tagen hatten wir mehr als 100 Personen gleichzeitig in unserer Videokonferenz. Ein ständiges Kommen und Gehen der Expert*innen, die sich zu ihren verschiedenen Sessions eingewählten, Präsentationen teilen, Introvideos einspielen, Countdowns einblenden, auf den Zeitplan achten – es gab viel zu tun für uns im Hintergrund.

Glücklicherweise hatten wir mit Emily Johnston und David Patrician ein Moderationsduo am Start, das nicht nur souverän durch das Programm und die Diskussionen führte, sondern dabei auch locker und unterhaltsam organisatorische Pausen füllten. Jetzt kennen wir auch den ein oder anderen australischen und amerikanischen Witz.

Virginijus Sinkevičius (u.) mit unseren Moderatoren Emily Johnston und David Patrician.

Für uns war 2020 auch besonders, weil wir so viele Expert*innen wie noch nie für das Finale gewinnen konnten – durchaus eine positive Seite, die wir der digitalen Variante zuschreiben dürfen. Unser Highlight war natürlich die Keynote-Ansprach von Virginijus Sinkevičius, dem EU Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei. Er betonte in seiner 10-minütigen Rede, dass gerade das Engagement der Jugendlichen einen großen Anteil daran hat, weshalb die Kommission den „European Green Deal“ ins Leben gerufen hat.

Mehr als 40 Expert*innen aus mehr als 10 Ländern

Auch darüber hinaus waren wir sehr begeistert, wie viele hochrangige Personen sich unserer Einladung angeschlossen haben, um mit den Jugendlichen zu diskutieren. Von Ministerien über internationale Organisationen wie die OECD, der WTO und die EU, die Leitungen verschiedener nationalen und internationalen Behörden wie der European Environment Agency und dem Umweltbundesamt, aus Unternehmen und Verbänden und aus der Forschung – wir hatten die ganze Bandbreite dabei in diesem Jahr. Und wir hoffen natürlich, dass sich das in den kommenden Jahren auch im persönlichen Format vor Ort weiterführen lässt.

Es wurde viel über gerechte Verteilung der Kitaplätze gesprochen zwischen dem zweitplatzierten Team des Albertus-Magnus-Gymnasiums und Prof. Bamford (r.o), Christian van Stolk (li.m) und Clemens Weegmann (r.m). Und Emily (li.o) hatte alles unter Kontrolle.

All das wäre aber wenig erfolgreich geworden, wenn nicht die YES!-Schulteams so eifrig, flexibel und ausdauernd mit dabei geblieben wären – und zwar nicht nur über die letzten Monate, sondern insbesondere auch während der drei Tage des Finales. In Unterrichtszeiten, die mit verpassten Stoff von vor den Sommerferien und vorsorglich so viel Neuem wie möglich vollgepackt sind, ist das umso bewundernswerter.

Die Teams waren bestens vorbereitet, hatten Präsentationen zeitlich genau abgestimmt, das Feedback aus den Regionalfinalen eingebaut und zeigten sich in den Diskussionen für die kritischen Fragen gewappnet. Und diese Fragen kamen auch von den anderen Teams, die konzentriert zugehört hatten.

Am Ende musste aber natürlich abgestimmt werden. Bei der Verkündung der jeweiligen Favoriten jedes Teams zeigte sich schon, dass viele starke Lösungsideen vorgestellt worden waren. Als Siegeridee setzte sich dann „Lausitz with future?! – Your decision!“ durch. Das Team des Martin-Andersen-Gymnasiums Dresden hatte sich mit dem Thema beschäftigt Is there a life after coal? Economic development in East German mining regions von Joachim Ragnitz und Felix Rösel vom ifo Institut – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München (Standort Dresden). Mit dem Beschluss des Endes des Braunkohleabbaus in Deutschland wurden von der Bundesregierung mehrere Milliarden Euro für die betroffenen Regionen zur Verfügung gestellt. Das Team entwickelte ein Konzept, bei dem die Bevölkerung sehr stark einbezogen werden soll, wenn es darum geht, dieses Geld sinnvoll zu investieren. Im Gespräch mit Klaus Dornbusch, zeigte sich, dass die Jugendlichen aus Dresden einen aus Sicht der Experten wichtigen Ansatz gefunden haben, um die Bevölkerung einzubeziehen und ihr ein Mitspracherecht zu geben.

So sehen Sieger aus – online, ohne donnernden Applaus, aber trotzdem hocherfreut.

Den zweiten Platz belegte das Albertus-Magnus-Gymnasium Stuttgart mit ihrer Idee Kitafix – Matching daycare places and children more effectively through an innovative ranking system. Nicolas Fugger und Tobias Riehm vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hatten die Aufgabe gestellt: Efficiently organising the allocation of daycare places. Das Team entwickelte daraufhin ein System basierend auf dem Gale-Shapley-Algorithmus und einer eigenen Erweiterung, um eine bessere Verteilung von Kitaplätzen zu erreichen. Als Gesprächspartner hatte sich Professor Anne Bamford, Strategic Education and Skills Director, City of London zugeschaltet, ebenso wie Christian van Stolk, Executive Vice President von RAND Europe und Clemens Weegmann, dem Stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschen Kitaverbands in Baden-Württemberg. Sie alle erkannten das Problem und waren überzeugt, dass mit etwas Weiterentwicklung das gezeigte Konzept auch praktische Anwendung finden könnte.

Dritter im Wettbewerb wurde die Idee einer App „YourEco- Swipe for a better tomorrow!“ des Gymnasiums Buckhorn aus Hamburg. Die Herausforderung von Wilfried Rickels vom IfW Institut für Weltwirtschaft lautete: How much CO2 is still allowed to enter the atmosphere, and how do we get it out again?
Das Team entwickelte dazu eine App, die das Verhalten der Menschen hinsichtlich ihrer CO2-Emissionen beeinflussen soll. Mit Dr. Hans Bruyninckx, Executive Director der European Environment Agency, Prof. Dr. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamts und Dr. Sandeep Sengupta, Global Coordinator Climate Change bei der International Union for Conservation of Nature (IUCN) hatte das Team drei sehr kundige Diskussionspartner, die auf die große Bedeutung dieses Thema hinwiesen und den Ansatz des Teams lobten.

Auch mal eine reine Männerrunde mit dabei. Schüler des Gymnasiums Buckhorn (li.o.) im Gespräch mit Prof. Messner (r.o.), Dr. Sengupta (li.u.) und Dr. Bruyninckx (r.u) – alles im Blick von David (m.o)

Den vierten Platz und damit ein Zeitschriften-Abonnement, erhielt das Team des Lise-Meitner-Gymnasiums aus Maxdorf, das ein Konzept vorgestellt hatte, wie man insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund beim Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt unterstützen kann. Der Preis wurde vergeben von Dr. Stefan Empter, dem Vorsitzenden der Stiftung Wirtschaft Verstehen.

Der Sonderpreis „Best-Scientific-Analysis“-Award für die beste wissenschaftliche Herangehensweise an die Problemstellung und den Lösungsansatz  ging nach  einer Jury-Entscheidung an das Carl-Bechstein-Gymnasium aus Erkner. Sie hatten zu dem Thema How can I imagine my mobility in the city and rural areas without my own car? von Anke Borcherding, Julia Epp, Juliane Haus und Andreas Knie vom WZB – Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gearbeitet. Mit ihrer wissenschaftlichen Herangehensweise zu ihrer Idee eines Bicycle Highways, also einer Fahrradschnellstraße mit Überdachung, Reparaturstationen und weiteren nützlichen Elementen überzeugten sie die Jury.

Die International School of Geneva nahm als internationale Gastschule teil und gewann den YES! International Award. Sie hatten einen alternativen Wohlstandsindikator entwickelt, den RPI Real Progress Indicator, der besserer Einschätzungen zulässt als das Bruttoinlandsprodukt.

Zeitweise hatten wir vier solcher Bildschirme gefüllt.

2020 wird natürlich auch beim YES! als ein besonderes Jahr in Erinnerung bleiben. Wir werden aber vor allem die schönen Momente im Gedächtnis behalten, die Gänsehautmomente, viel Lachen und sogar die ein oder anderen Tanzrunde vor dem Bildschirm.

Ein großes Dankeschön an alle Lehrkräfte und Teams, an unsere Expert*innen, Forschenden und alle, die uns unterstützt und vertraut haben.
It was a pleasure!

Auf geht’s aber nun ins nächste YES!. Die Anmeldung läuft für 2021, und egal, was uns die kommenden Monate bezüglich der Pandemie bringen werden, wir können es auch digital!

Liebe Grüße

euer YES!-Team

Aktuelle Meldungen

Die Wildcard Teams 2020

Juli 20th, 2020|

Lise-Meitner-Gymnasium Maxdorf und Rudolph-Brandes-Gymnasium Bad Salzufflen als Wildcard Teams im Bundesfinale

Im Westen war was los

Juni 22nd, 2020|

Die dritte Runde haben wir auch gemeistert. Das Konrad-Adenauer-Gymnasium aus Langenfeld und das Regiomontanus Gymnasium aus Hassfurt dürfen ins Bundesfinale.

Der Norden hat abgestimmt

Juni 15th, 2020|

Das Regionalfinale 2020 der Region Nord gewannen das Gymnasium Buckhorn aus Hamburg und die Immanuel Kant Schule Neumünster.