YES! - Thema 2019

Das Stadt-Land-Gefälle: Wie können ländliche Regionen überleben?

Das Leben in ländlichen Gebieten wird immer schwieriger in Deutschland. Während Ortschaften nahe den urbanen Zentren stetig wachsen, verlieren andere ländliche Regionen einen Großteil ihrer Bevölkerung. Großstädte wie München, Berlin und Hamburg ziehen weiterhin Menschen an, wohingegen mittel-große Städte sowie Kleinstädte jeweils 37 und 52 Prozent ihrer Bevölkerung verloren haben. Dieses Phänomen der sinkenden Bevölkerung trifft ländliche Regionen in vielen unterschiedlichen Dimensionen wie der Verschlechterung der Arbeitsmarktsituation und einem Rückgang an privaten und öffentlichen Versorgungsangeboten.
Junge Arbeitnehmer sowie hochqualifizierte Arbeitnehmer können der lokalen Wirtschaft neue Impulse geben. Jedoch ist der Fachkräftemangel in ländlichen Regionen besonders stark ausgeprägt. Unternehmen in diesen Regionen haben somit Schwierigkeiten qualifizierte Arbeitnehmer zu finden und diese zu halten. In ländlichen Regionen stehen die Unternehmen nicht nur im Wettbewerb zueinander um die bestqualifizierten Arbeitnehmer, sondern auch mit städtischen Regionen. In Regionen, in denen gute Jobs fehlen, sind junge und hochqualifizierte Arbeitnehmer die ersten, die solche Regionen verlassen, was zu einem Teufelskreis führt.
Ein starker Bevölkerungsrückgang könnte ebenso zu einem Rückgang der Kaufkraft führen, was wiederum zu einem Rückgang des Angebots an privaten und öffentlichen Versorgungsangeboten führt. Geschäfte, Restaurants und weitere Annehmlichkeiten schließen, einhergehend mit dem Rückgang der Kaufkraft, was die Region noch weniger attraktiv macht. Versorgungsangebote der öffentlichen Daseinsvorsorge wie Bildung, Gesundheit und öffentlicher Nahverkehr sind auch betroffen, da eine geringere Bevölkerungszahl sich auf die öffentlichen Einnahmen auswirkt. Beispielsweise verlassen in ländlichen Regionen mehr Schüler die Schule ohne einen Bildungsabschluss verglichen mit städtischen Regionen, was mit einem Mangel an Bildungsinstitutionen in ländlichen Regionen zusammenhängt.
Innovationen sowie neue Technologien können oftmals wichtige Lösungsansätze für die Probleme in ländlichen Regionen darstellen. Politiker und Unternehmen sollten weiterhin innovative Beschäftigungsmodelle fördern, um so hochqualifizierte Arbeitnehmer anzuziehen. Zusätzlich könnten digitale sowie mobile Lösungsansätze wichtig sein, um private und öffentliche Dienstleistungen zu steigern.

Wie können ländliche Regionen hochqualifizierte Arbeitnehmer gewinnen?
Welche Lösungsansätze können verfolgt werden, um die Qualität der Jobs in ländlichen Gebieten zu erhöhen?
Wie können Arbeitsplatzangebote in ländlichen Regionen attraktiv gemacht werden?
Wie können innovative Lösungsansätze dazu beitragen, die wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen zu Gebieten fördern?
Wie können innovative Lösungsansätze das Angebot an Bildungsangeboten in ländlichen Regionen erhöhen?
Wie können mobile oder digitale Lösungsansätze genutzt werden, um das Angebot an privaten und öffentlichen Dienstleistungen zu erhöhen?

Reports and research papers:
Antrop, M. (2004). Landscape change and the urbanization process in Europe. Landscape and Urban Planning, 67(1-4), 9-26.

BMEL – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2016). Landwirtschaft verstehen. Im Fokus: Chancen der Digitalisierung. Berlin. Available at: http://www.bmel.de/publikationen

BMEL – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2018). Ländliche Regionen verstehen. Fakten und Hintergründe zum Leben und Arbeiten in ländlichen Regionen. Berlin. Available at: http://www.bmel.de/publikationen

ESPON – European Spatial Planning Observation Network (2017). Shrinking rural regions in Europe. Towards smart and innovative approaches to regional development challenges in depopulating rural regions. Luxembourg. Available at: https://www.espon.eu/article-type/policy-briefs

Moretti, E., & Thulin, P. (2013). Local multipliers and human capital in the United States and Sweden. Industrial and Corporate Change, 22(1), 339-362.

Moretti, E. (2004). Workers’ education, spillovers, and productivity: evidence from plant-level production functions. American Economic Review, 94(3), 656-690.

Interesting websites:
Maps of rural and urban areas: https://www.landatlas.de/
Success stories in rural areas: https://www.bmel.de/DE/Laendliche-Raeume/
InformationsportalZukunftLand/
Erfolgsgeschichten/erfolgsgeschichten_
node.html;jsessionid=995278355BC7ADA1
D3D8798506AC38F9.2_cid385

Newspaper articles:
Handelsblatt: Germany’s Growing Urban-Rural Split. Available at: https://www.handelsblatt.com/today/
politics/divided-nation-germanys-growing-urban-rural-split/
23572478.html?ticket=ST-4761331-sKjOUXTf51Dps2PqjWQH-ap1

Zeit Online: Stadt, Land, Vorurteil. Available at: https://www.zeit.de/feature/deutsche-bevoelkerung-stadt-land-unterschiede-vorurteile

Mit Unterstützung von

schluß, aus, mickymaus” von Eric Ferdinand ist lizensiert unter CC BY 2.0

Wissenschaftlicher Partner:

Betreuer der YES!-Teams und Autoren des Themenvorschlags:

Fernanda Martinez Flores

Fernanda Martinez Flores ist seit Juni 2015 als Wissenschaftlerin und Doktorandin der Forschungsgruppe “Migration und Integration” im Kompetenzbereich “Arbeitsmärkte, Bildung, Bevölkerung” des RWI tätig. Sie studierte Wirtschaftswissenschaft an der Aalto University (Finnland) sowie im Instituto Tecnológio y de Estudios Superiores de Monterrey (BA 2012). Ihr Masterstudium absolvierte sie an der Ruhr-Universität Bochum (MSc 2015). Neben Migrationsökonomik und angewandter Mikroökonometrie ist sie zusätzlich interessiert in Entwicklungs- sowie Arbeitsmarktökonomik.

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Gökay Demir

Gökay Demir ist seit Juni 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand im Kompetenzbereich „Arbeitsmärkte, Bildung, Bevölkerung“ des RWI tätig. Er studierte Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main (BA 2015) sowie Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine Universität, Düsseldorf (MSc 2018). Seine Forschungsinteressen sind Arbeitsmarktökonomik, internationaler Handel und angewandte Mikroökonometrie.

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2018-12-04T12:24:18+00:00